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Geistlicher Impuls


14. November 2020

Kurzpredigt, gehalten von Pfarrerin Dorothee Lücke im Kantatengottesdienst am 01.11.2020 in der Methodistischen Friedenskirche Chemnitz, Kaßberg

Liebe Gemeinde,

„Jauchzet Gott in allen Landen“, so werden wir es gleich hören in der Kreuzkirche,
alle Geschöpfe werden hier aufgerufen, Gott zu loben.
„Jauchzet Gott in allen Landen“ – wahrscheinlich ist den meisten von uns gerade
nicht so nach Lob zumute – angesichts der immer weiter ansteigenden Zahlen
der Infizierten in den Schlagzeilen
Ab morgen gelten deutliche Einschränkungen für unser Leben.

Dazu der November, der heute beginnt, mit der Dunkelheit, die er mit sich bringt.
All das lässt mich Normalität, Nähe und Gemeinschaft schmerzlich vermissen.
„Jauchzet Gott in allen Landen“ – als wir die Aufführung der Kantate für
den 1. November planten, dachten wir: Da wird doch wahrscheinlich alles vorbei sein mit Corona.

Ein Dank- und Lobgottesdienst sollte es werden. Nun sind wir noch mittendrin.
Und doch passt meiner Meinung nach auch heute diese Aufforderung zum Lob Gottes.
Besonders der letzte Teil der Kantate erreicht mich in unserer gegenwärtigen Lage,
die Choralstrophe mit dem Text:

Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist!
Der woll in uns vermehren, Was er uns aus Gnaden verheißt,
Dass wir ihm fest vertrauen, Gänzlich uns lass’n auf ihn,
Von Herzen auf ihn bauen, Dass uns’r Herz, Mut und Sinn
Ihm festiglich anhangen; Drauf singen wir zur Stund:
Amen, wir werdn’s erlangen glauben wir aus Herzensgrund.


Hier höre ich, dass es doch darum geht: An seinem Wort festhalten, als feste Mitte für uns
und unser Leben. Denn das hat auch in Krisenzeiten Bestand.

J. S. Bach, der diesen Choral für seine Kantate aufnahm, musste wie wir gerade erleben:
Krisenzeiten gehören zum Leben dazu. Niemand kommt ohne hindurch.
Als 10jähriges Kind starben Bach in kürzester Zeit Vater und Mutter, er musste seinen
Heimatort Eisenach verlassen und kam zu seinem älteren Bruder. Doch auch dort musste
er wieder weg, als der selbst eine Familie gründete. 15jährig ging Bach als Chorknabe nach Lüneburg.
Erwachsen geworden erlebte er, trotz seiner Genialität, Auseinandersetzungen und Konflikte in seinen
Arbeitsstellen und mit 35 Jahren verlor er seine Frau Maria Barbara.

Und bei solchen Krisen ruft Bach dennoch zum Lob auf. Mit seiner Musik, mit Texten und Melodien, die bis heute Menschen ansprechen und mitnehmen. Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit, dass wir uns wieder darauf besinnen, was hier gesungen wird: „Der woll in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt“?

Und was ist diese Gnadenverheißung? Ganz kurz gesagt: Gott ist mit uns!! Wir sind seine Kinder, er hält uns in seiner Hand, niemals wird er uns verlassen. Schon immer haben Menschen Zeiten der Einsamkeit erleben müssen.

Sie haben gehadert und getrauert, wie vielleicht auch mancher von uns gerade.
Wie sie dürfen wir auch Gott klagen und ihm unsere Fragen und Not nennen.
Zurzeit erleben wir eine Situation, wo alles ins Wanken gerät, was scheinbar so sicher und klar war.
Aber es ist auch eine Zeit, wo wir uns neu Gott ganz anvertrauen können. An ihm festhalten trotz allem. Gott ist mit uns. – Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit, dass wir uns das wieder bewusst machen und es auch weitergeben?
Indem wir uns einander zuwenden, aufeinander achten, fragen, wer uns jetzt gerade braucht. Ich erlebe: Es tut gut, zu schauen, wo ich jetzt einen Beitrag dazu leisten kann, damit wir miteinander besser durch diese Zeit kommen.
Wenn ich jemandem Weggefährte bin, frage, wie es ihm oder ihr geht, Zeit und Zuwendung weitergebe,
Musik, Gebet, Hören und Tun gibt Hoffnung. Wenn wir seinem Wort „festiglich anhangen“ – wie es in der Kantate heißt, erhalten wir neue Kraft. Darum lasst uns einstimmen in sein Lob, einstimmen in die Hoffnungsstrophe: „Amen, wir werdens erlangen, glauben wir aus Herzensgrund“.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu! Amen.

Bibel, Pixabay