Steffen Walther: Chemnitzer Orgelsommer
11. August 2026
JOHANN SEBASTIAN BACH ZU GAST IN HAMBURG
19. August 2026, 20:00 Uhr, Kreuzkirche Chemnitz
Die Idee zu diesem Konzertprogramm basiert auf einem historisch belegten Konzert, das Johann Sebastian Bach am 16. November 1720 auf der großen Barockorgel der Katharinenkirche in Hamburg gab. In diesem Konzert spielte der zu dieser Zeit als Hofkapellmeister in Diensten von Fürst Leopold in Köthen stehende Bach eines seiner bedeutendsten Orgelwerke, die uns erhalten sind: Fantasie und Fuge g-Moll.
Gleichzeitig traf er den Hamburger Altmeister Organisten an dieser Kirche, Johann Adam Reinken, und bekam von ihm eines der schönsten Komplimente über seine Kunst. Hier folgt das Zitat (etwas gekürzt und sprachlich angepasst) aus dem von Carl Philipp Emanuel Bach verfassten Nekrolog (Nachruf) auf J. S. Bach: „Der alte Organist der Katharinenkirche, Johann Adam Reinken hörte ihm mit besonderem Vergnügen zu, und machte ihm, insbesondere über den Choral „An Wasserflüssen Babylon“, welchen unser Bach, auf Verlangen der Anwesenden, aus dem Stehgreife, sehr weitläufig, fast eine halbe Stunde lang, auf verschiedene Art, so wie es ehedem die braven unter den Hamburgischen Organisten in den Sonnabends-Vespern gewohnt gewesen waren, ausführte (also improvisierte), folgendes Kompliment: Ich dachte, diese Kunst wäre gestorben, ich sehe aber, dass sie in Ihnen noch lebet. Es war dieser Ausspruch von Reinken desto unerwarteter, weil er vor langen Jahren diesen Choral selbst, auf die oben gemeldete Weise gesetzt hatte. Reinken nötigte ihn hierauf zu sich und erweis ihm viel Höflichkeit“
Bachbiograph Christoph Wolff kommentiert: „Die Reaktion des ehrwürdigen Reinken auf Bachs Orgelspiel lässt sich kaum überbewerten. Er sah in Bach den einzigen Organisten der jüngeren Generation von Rang, der die Traditionen des 17. Jahrhunderts nicht nur bewahrt, sondern weiterentwickelt hatte.“
Zum Konzert und den Gästen schreibt der Musikwissenschaftler weiter: „Das Ereignis war eindeutig geplant und angekündigt und hatte so prominente Persönlichkeiten wie Ermann Neumeister, Kantatendichter und Hauptpastor der Jakobikirche, und Johann Mattheson, den Musikdirektor des Hamburger Doms, angelockt.
So entwickelte ich ein Konzertprogramm mit der größten erhaltenen kompositorischen Überlieferung Reinkens, dessen große Choralbearbeitung „An Wasserflüssen Babylons“ an vorletzter Stelle, Bachs oben erwähntes Werk als Schluss- und Zielpunkt sowie vorher einer abwechslungsreichen Abfolge weiterer bedeutender Kompositionen norddeutscher Meister von Dieterich Buxtehude und Nicolaus Bruhns.
In einer kurzen fiktiven Geschichte, die ich mir ausgedacht habe und die ich als Konzerteinführung zu Beginn des Konzertes vortragen möchte, lasse ich nun die Herren Reinken und Bach über ihre eigenen Werke und die der befreundeten Kollegen aus Lübeck und Husum sinnieren.
Auf der Orgelempore der ehrwürdigen Katharinenkirche Hamburg begegnen sie sich am Vorabend des Konzertes.
Bevor sie sich ihre Schöpfungen am Ende des Programmes jeweils selbst zum Besten geben, spielen sie Werke von Dieterich Buxtehude und Nicolaus Bruhns.
Sie erinnern sich an gemeinsame Begegnungen mit Lübecker Kantor, Organisten und Komponisten Dieterich Buxtehude.
Reinken ist auf einem Gemälde „Musikalische Gesellschaft“ von Jan Voohhout (1674) gemeinsam mit Buxtehude zu sehen: Reinken stolz im modischen Kimono am Cembalo, Buxtehude nachdenklich mit Notenblatt auf dem Knie.
Bach wiederum unternahm als Organist in Arnstadt eine viermonatige Fußreise nach Lübeck, um Buxtehude zu erleben und zu studieren. Die eigenmächtige Ausdehnung seines ursprünglich auf vier Wochen geplanten Urlaubes auf vier Monate stieß in Thüringen auf keine allzu große Begeisterung.
Zwei Werke des Lübecker Meisters stehen am Beginn des Konzertes: das fröhliche Präludium in D (BuxWV 139) und die fein gegliederte Passacaglia in d (BuxWV 161).
Über das vielleicht größte norddeutsche Genie der damaligen Zeit, den sehr jung verstorbenen Violinisten, Organisten und Komponisten Nicolaus Bruhns aus Husum, wusste sicherlich Reinken manch spektakuläres Gerücht zu erzählen. Von ihm setze extrem farbige und harmonisch kühne Präludium in e als Mittelpunkt des Konzertes.
Eintrittskarten erhalten Sie via ETIX-Ticketportal, in der EVABU Reitbahnstraße, im Pfarramt Henriettenstr. 36 oder an der Abendkasse. Ermäßigungsberechtigt sind Schüler:innen, Student:innen, Azubis und Chemnitzpass-inhaber. Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre erhalten freien Eintritt.
Vollzahler 12 €
Rentner 10 €
Ermäßigte 8 €
Freie Platzwahl